Sandl – Die 66-jährige Sprachen,- und Leibesübungslehrerin Hadwig Vogl aus Salzburg hat den 26.April 1986 mit dem Schilaufen an den Bergen um Linz verbunden, wo sie damals mit ihren Studenten war. „Es fiel damals viel Schnee, erst später fiel uns ein, dass es ein radioaktiver Schnee war,“ erinnert sich an den Tag die Frau, die bereits seit 3 Jahren in Budweis lebt.
Frage: Aber in Österreuch wurden Sie über die Havarie in Tschernobyl schnell informiert....
Vogl: Nicht genug schnell. Es fand die Präsidentenwahl statt, in der Freda Meissner Blau für die Grünen kandidierte und die Regierung wusste nicht gleich, wie darauf zu reagieren. Wenn die Informationen über Tschernobyl sofort veröffentlicht werden, würde es den Grünen helfen. Es wurde gesagt, dass die Informationen deswegen um zwei Tage verzögert wurden.
Frage: Trotzdem wussten Sie über die Havarie früher als wir in Tschechien...
Vogl: Das sicher. Es kann sein, dass sich bei uns die Information nur um 24 Stunden verspätet hat.
Frage: Wie hat die Nachricht das öffentliche leben betroffen?
Vogl: In den Medien tauchten Warnungen auf, dass man nicht draussen sportelt und dass die Kinder nicht an den Spielplätzen spielen. Für mich als Lehrerin war es sehr unangenehm. Es wurde Sand aus den Spielplätzen ausgeliefert, es wurde empfohlen, kein Gemüse zu essen – zum Beispiel Spinat oder Salat.
Frage: War es ein Verbot oder nur eine Empfehlung?
Vogl: Eine Empfehlung. In den Geschäften konnte man das Gemüse ganz normal kaufen, aber die Leute haben es nicht gekauft. Es wurden auch keine Pilzen gegessen. In Sandl haben zum Beispiel die Bauer das Vieh den ganzen Frühling lang nicht mit dem Gras gefüttert. Ich kann mich noch erinnern, dass es damals viel geregnet hat. Wir hatten Angst, dass es ein radioaktiver Regen ist.
Frage: Waren die Informationen davon, wie man sie verhalten soll, häufig?
Vogl: Jeden Tag tauchten sie im Radio und in den Zeitungen auf. Es tauchten dort auch Meldungen über die gemessenen Werte der Radioaktivität in der Umwelt auf. Schrittweise haben sie sich verringert. Die Wahrheit zu wissen, war besser und ich erinnere mich nicht daran, dass es dabei Panik wäre. Die Radioaktivität kann man nicht sehen oder riechen. Wenn man aber die Regeln kennt, wie sich zu schützen, ist es besser, als die Informationen zu vertuschen, wie es zum Beispiel in der Tschechoslowakei der Fall war.
/Volltext/
/Q:TZ/
A.Pelisek
Übersetzung: gp
Erschienen am 28.04.2008
Quelle: CZ-MF DNES - Mlada fronta DNES, Seite Region - Seite 2