Sandl – Es ist eine Märchenlandschaft. Den Weg von Freistadt bis zum Bergstädtchen Sandl rahmen zerstreute Bauten und Viehhöfe um. Nur ein paar Kilometer von der Grenze zu Tschechien entspringt der Fluß Maltsch. Der Fluß verbindet zwei Nationen, aber auch keinen Fall zwei Welte, da dort die Tschechen und Österreicher immer zusammen lebten.
Es ist Samstag, den 26.April – der Gedenktag der Atomkatastrophe im ukrainischen Kraftwerk Tschernobyl. In Sandl, der Stadt mit 1.600 Bewohnern, erinnert man im Gegenteil zu Tschechien an diese Begebenheit. Unter anderem auch mit einer Petition, die die Kampagne für bessere Informationen über die Folgen schwerwiegender Havarien einleiten wird. Man unterschreibt sie im Lokalgasthaus.
Man fängt in sandl an, dann wird sich die Kampagne in ganz Österreich verbreiten. „Eine ähnliche Aktion fand bereits zum Beispiel in Franreich oder in der Schweiz statt,“ sagte Bernhard Riepl, der 39-jährige Lehrer und Übersetzer, der in Sandl Vorsitzender der Vereinigung Sonne und Freiheit ist.
Die Bewegung propagiert eine gesunde Natur und erneuerbare Energiequellen, zum Beispiel Wasserkraftwerke, Sonnenkollektoren und Windkraftwerke. Die Vereinigung entstand gerade in Sandl und ihre Mitglieder sind auch Tschechen. Unter anderem organisiert die Vereinigung gemeinsame Treffen bei den sgn. Stammtischen, was zum Beispiel Besuche der Kultur,-und Natursehenswürdigkeiten beider Länder sind. Die Mitgleder lernen auch Sprachen ihrer Nachbaren.
Laut Ripel unterzeichnete die Weltgesundheitsorganisation bei UNO (WHO) im Jahre 1959 ein Abkommen mit der Internationalen Agentur für Atomenergie (IAEA) , dass sie die Informationen über die Auswirkungen der Atomhavarien auf die Menschengesundheit gemeinsam bereit stellen werden, was im Grunde eine Zensur ist. Ein Beweis davon ist, dass UNO bis zum Jahr 2005 nur 54 toten Leute auf die Folgen der Bestrahlung zugab – unabhängige Intiativen geben dabei Zahlen an, die bis 100mal höher sind. „Wir wollen auf unsere Gesundheitsministerin apellieren, dass sie sich für die Kündigung dieses Vertrages einsetzt,“ ergänzte Riepl.
In Sandl unterzeichneten dabei am Samstag die Petition für die Aufhebung der Zensur auf Informationen über die Gesundheitsfolgen der Atomhavarien auch Tschechen. „Ich kann mich erinnern, wie man uns damals zu Hause über die Havarie infomriert hat. Ich weiß nicht mehr, ob es in den Zeitungen stand oder nicht, aber wir haben in Südböhmen österreichisches Fernsehen verfolgt, wo wir die ersten Nachrichten über die Havarie gesehen haben,“ sagt die 75-jährige Eliska Svecova aus Kamenny Ujezd bei Buweis. Die offiziellen Pressemeldungen beschäftigten sich laut ihr mehr mit der Laune in Österreich, die sie schimpflich als Hysterie bezeichneten. Während in Tschechien das Leben weiter lief, in Österreich führte man die Kindersandspielplätze aus und wurde kein Gemüse wegen der Radioaktivität gekauft.
„Es gab da Angst und ein bisschen Panik, aber auf keinen Fall eine große. Wir sind der Meinung, dass die Leute Recht auf wahre Informationen haben. Und die Behörden müssen isch in solch einem Fall schnell entscheiden, welche Maßnahmen zu treffen sind,“ ergänzte Riepl.
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A.Pelisek
Übersetzung: gp
Erschienen am 28.04.2008
Quelle: CZ-MF DNES - Mlada fronta DNES, Seite Region - Seite 1