Prag - Der tschechische Außenminister Karl Schwarzenberg hört nach eigenen Worten in Österreich auch "vernünftige Stimmen" in Sachen Temelin. Schwarzenberg sagte in einem Interview mit der tschechischen Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" (Samstag-Ausgabe): "Einige Leute (in Österreich) haben begonnen, gegen die Verrücktheiten beim Feldzug gegen Temelin um sich zu schlagen, und sagen, die Österreicher sollen in dieser Angelegenheit zur Vernunft kommen", erklärte der Diplomatiechef.
Zu den Blockaden der Grenzübergänge zu Tschechien durch Gegner des südböhmischen Atomkraftwerks meinte Schwarzenberg, jeder könne protestieren, wie er wolle. Allerdings sei es unannehmbar, die Grenze völlig zu blockieren. "Ich höre aber in Österreich auch Stimmen der Vernunft", so der Minister. In diesem Zusammenhang sagte er weiters, die Tschechen müssten sich auch "bewusst werden, dass wir in Österreich mit den Ereignissen des 20. Jahrhunderts Sympathien verloren haben. Sowohl wegen des Jahres 1918, als auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Vertreibung der Deutschen".
Zur Frage der Sudetendeutschen sagte Schwarzenberg, dieses Thema sei nach und nach "verblasst". Es sei eine Generationsfrage. Außerdem hätten die Tschechen und tschechische Medien ein Schreckbild daraus gemacht, man habe es übertrieben. Dabei könne man auf der anderen Seite unter "unseren ehemaligen Landsleuten" auch viele vernünftige und opferbereite Menschen finden. Viele Kirchen, Sehenswürdigkeiten und Friedhöfe in tschechischen Grenzgebieten seien mit ihrer Hilfe repariert worden. "Wir sollten das endlich schätzen", betonte Schwarzenberg.
Erschienen am 09.06.2007
Quelle: APA